Reichenhall's Blog

A Call from the Bavarian Alps

Die Großfinanz und Volksverrat in Griechenland?

Alles spricht von Griechenland, über 61 Prozent stützen den Kurs der Regierung von Alexis Tsipras und seinem Finanzminister Yanis Varoufakis und nach dem Referendum mit Evklidis Tsakalotos . Das ist für eine Demokratie ein gutes Ergebnis und eine Bestätigung für die hart geführten Verhandlungen mit den Gläubigern, mit der Weltfinanz. Auf der anderen Seite schreien die Gläubiger, Euro-Verfechter und die großen Banken der Welt „Verrat“ und die Großfinanz dreht den Geldfluss ab. Auch das ist eine sehr nachvollziehbare Entscheidung.

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Wer aber hat nun wen verraten? Zipras sein Volk oder die Finanzknechte, die Griechenland in die Knie gezwungen haben, die verantwortungslos seit 2001 hunderte von Milliarden Euros in einen maroden Staat gesteckt haben – übrigens nicht in die Regierung von Zipras. Wer hat hier wen verraten, ein Volksverrat an die Griechen? Wer hat sämtliche Sicherheiten außer acht gelassen für das größere Ziel des Euros und eines vereinten Europas, das doch nie ganz vereint sein wird. Das Idol des Euros, Symbol der europäischen Macht, das goldene Kalb der Mächtigen.

Die Macht des Euro und die Krise

Alexis und Yanis tun das, für das sie gewählt wurden. Sie vertreten den Willen des Volkes, ob mit oder ohne Euro, auch in der Krise. Diese Tugend scheint vielen großen Europa-Politikern abhanden gekommen zu sein, sobald sie mit den Finanzmächtigen an einem Tisch sitzen. Wer begeht Volksverrat? Heute verhandelte Milliardenkredite sind ja erst in 20 Jahren fällig. Wie praktisch, wenn die Herren und Damen dann längst ihre unverschämt hohen rentenähnlichen Bezüge erhalten. Das goldene Kalb ist gnädig zu seinen Knechten und erbarmungslos zu jenen, die ihm nicht huldigen.

Die Großen aber gewinnen immer, auch wenn Griechenland in der Krise aus dem Euro fällt. Dann gibt es Griechenhäppchen zum Schnäppchenpreis. Währenddessen wird der nächste Akt im Weltentheater eingeläutet. Man darf gespannt sein. Die Krise zeigt nämlich auch unbarmherzig die große Schwäche des Euros, seine dunkle Schattenseite. Volkswirtschaften bzw. Nationalstaaten können über das Auf- oder Abwerten ihrer eigenen Währung nämlich nicht mehr handeln – sind machtlos ausgeliefert. Und Deutschland? Ja, auch Deutschland ist nicht mehr souverän, die alte D-Mark ist futsch. Das sei gut für den Export, und doch waren wir auch zu D-Mark-Zeiten Exportweltmeister. Und die Reisefreiheit hatten wir auch, bis auf ein paar Grenzkontrollen und die Italiener waren uns genauso lieb wie die Franzosen, Kroaten oder unsere östlichen Nachbarn.

Dafür aber haften wir jetzt über die EU brav mit, sind der Zahlmeister Europas und Bayern über den Länderfinanzausgleich gleich doppelt. Das Ganze komme dann der Wirtschaft zugute – und dem Bürger?

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Juli 6, 2015 von in Glossen & Kom und getaggt mit , , , .
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