Reichenhall's Blog

A Call from the Bavarian Alps

Papst Franziskus und seine Öko-Enzyklika

Wieder einmal kommt eine päpstliche Schrift einem Weckruf gleich. Anderseits, warum hat die Kirche so lange geschwiegen? Der Papst spricht von Schuld und das ist sympathisch in einer schuldlosen Zeitgeist-Welt. Heute ist keiner mehr Schuld, keiner ist es gewesen und überhaupt: was heißt Schuld? Vor wem und gegen wen? Klar, auf der Bank mit Krediten und Finanzierungen – aber gegenüber Mitmenschen? Es ist doch keiner besser als der andere, sind doch alle gleich schuldig oder nicht-schuldig – oder doch schuldig?

Schuld oder nicht schuldig?

Der Papst aber spricht von Schuld, von der Schuld der reichen Welt, die die Möglichkeiten hatte und hätte, die Dinge zu ändern. So aber jammern zeitgleich die Politiker in Bayern über Atommüll, den sie mit Gewalt gegen die Bevölkerung durchgedrückt hatten und ihr giftiges Erbe jetzt einfach dem Rest der Menschheits-Generationen überlassen. So haben wir die unendliche Gier von Weltkonzernen, die die Schöpfung nach Belieben manipulieren, ausbeuten und für sich allein beanspruchen. Ja, auch die Schuld ganzer Staaten, von Politik, Börse und Weltmächten.

Übrigens hat der Papst auch schon früher angemahnt, dass nicht die Wirtschaft, sondern die Heiligkeit des Menschen im Zentrum unseres Denkens und Handelns stehen sollte. Auch das bedeutet in letzter Konsequenz, unsere Umwelt zu schützen. Denn die alten Worte: „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deiner Kraft“ ist auch ein Bekenntnis zum Schöpfer und zur Schöpfung. Wie pervers ist ein System, das die Kündigung von Tausenden von Menschen mit steigenden Börsenkursen belohnt? Auslagerung und Ausbeutung in billigen Ländern forciert.

Verantwortung mit Wissen und Besitz

Auch Jesus Christus selbst stellt in seinem Gleichnis über die anvertrauten Talente Verantwortlichkeiten klar. Wer viel hat (wem viel gegeben ist), der hat auch viel Verantwortung gegenüber ’seinem Nächsten‘ und gegenüber Natur und Gesellschaft. Allzu oft aber bleibt der Eindruck, man beschränke sich ausschließlich auf die eigene Verantwortung zur Mehrung und Sicherung des persönlichen Besitzes. Und wer viel hat, will immer noch mehr haben, oder?

Bleibt die Frage, was können wir tun, ein jeder von uns? Wie wäre es mit einem verantwortungs-vollen Handeln? Öffnen wir doch Herz und Augen für unseren Nächsten, für die Umwelt. Ziehen wir uns doch nicht zurück in virtuelle Welten und Netzwerke. Nutzen wir sie lieber klug und mit Augenmaß und bleiben wir in mitmenschlichem Kontakt zueinander.

Übrigens haben genau das die alten Propheten bis Johannes den Täufer und Jesus Christus und seine Apostel eingefordert. Der Aufruf: „Tut Buße“ ist ein Appell zur Umkehr, zu einer radikalen Umkehr, die bereit ist Verantwortung zu übernehmen. Damit geben wir uns selbst, dem Nächsten und auch Gott die Ehre. Schätze sammeln im Himmel wäre eine andere Metapher. Und wo anders könnten wir das tun als auf Erden?

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Juni 22, 2015 von in Der Glaube, Glossen & Kom und getaggt mit , , , .
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